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Adultismus und Parentifizierung

Adultismus und Parentifizierung

Ein Beitrag der Arbeitsgruppe Ressort IV, Gesundheit, Familie und Soziales der Piratenpartei NRW (kurz GeFaSo).

In diesem Blogbeitrag wollen wir über Adultismus und Parentifizierung aufklären und einen genaueren Blick darauf werfen, um Bewusstsein dafür zu schaffen, wie Kinder angemessen behandelt werden.

Was sind Adultismus und Parentifizierung?

Adultismus bezeichnet die Neigung, Kinder und Jugendliche abwertend zu behandeln. Oftmals werden Vorurteile gegenüber ihrer (emotionalen) (Un-)Reife, Rationalität und Verlässlichkeit gehegt. Diese Vorurteile sollen dann einschränkende und bevormundende Maßnahmen gegenüber Kindern rechtfertigen. Ein anschauliches Beispiel ist der sprachliche Gebrauch bei emotional unreifem oder irrationalem Verhalten als “Kindergarten” zu sprechen, was Kinder in ihrer Ernsthaftigkeit und Individualität abwertet.

Die Parentifizierung hingegen tritt dann auf, wenn Kinder unangemessene Verantwortungen und Rollen übernehmen müssen, die nicht ihrem Alter und ihrer Position als Kind entsprechen. Hierbei kann es vorkommen, dass Kinder zu Gesprächspartnern für die Sorgen der Eltern werden, pflegende Aufgaben übernehmen oder gar als Erziehungspersonen für jüngere Geschwister agieren müssen. Solche Belastungen hindern die Kinder daran, einfach nur Kind zu sein und sich selbst und die Welt zu entdecken.
Erlebnisse dieser Art können schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern haben.

Herausforderungen: Konsequenzen, Kompetenzen und sinnvolle Erziehung

Wichtig ist zu verstehen, dass Kinder, genau wie Erwachsene, Fehler machen können und dürfen. Die Art der Konsequenzen und Bestrafungen sollte jedoch sinnvoll sein und nicht nur dazu dienen, Kinder zu kontrollieren. Es ist entscheidend, Kindern beizubringen, aus ihren Fehlern zu lernen, und ihre erworbenen Kompetenzen ernst zu nehmen.

In der aktuellen Zeit gibt es beunruhigende Beispiele für Adultismus und Parentifizierung. Aktuell finden wir verschärfte Beispiele aufgrund der Pandemie, bei denen einige Kinder und Jugendliche bevormundet werden. Kinder werden z.B. bei den Impfempfehlungen benachteiligt, da diese vermeintlich nicht so schwer erkranken.
Wir Piraten betrachten die globale Sicht der Empfehlungen seitens EMA (europäische Impfkomission) und der CDC (Centers for Disease Control and Prevention), hier bekannt als amerikanische Impfkommission und sind erleichtert, dass die deutsche Impfkommission (STIKO) sich dem angenähert hat.

Parentifizierung entsteht, wenn sich Kinder und Jugendliche um erkrankte Eltern kümmern, da staatliche Hilfe unzureichend ist, wie zum Beispiel viele Erfahrungsberichte von Long Covid-/Post Covid- und ME/CFS-Erkrankte zeigen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden oft für arbeitende Personen Kraft- und Stärkeausdrücke verwendet. Für Kinder aber gibt es keine solchen “Zuordnungen”. Aus diesem Grund benutzen wir immer weniger den “Lehrkräfte”-Begriff und verwenden stattdessen postgenderkonforme Substantive wie “Lehrende” oder Personalformen wie Lehrpersonal für Fachpersonen. Der Leistungsdruck durch unbewusste Einprägung von Kindheit an, wer stark ist und wer nicht, kann ein Kind in die Parentifizierung treiben.

Lösungsansätze: Gentle Parenting und Selbstreflexion

Als Lösungsansatz bietet sich das Konzept des Gentle Parenting an, bei dem Kinder fair und respektvoll behandelt werden. Diese Form der Erziehung legt besonderen Wert auf die vier Grundbedürfnisse des Zuhörens, Lernens, Wertschätzens und Ermutigens. Dies erfordert eine bessere Fehlerkultur, in der Erwachsene ihre eigenen Fehler eingestehen und gemeinsam mit den Kindern daraus lernen. Eine positive Erziehungsumgebung fördert eine gesunde Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern.

Adultismus und Parentifizierung sollten nicht als Normalität akzeptiert werden. Stattdessen müssen wir gemeinsam daran arbeiten, eine Umgebung zu schaffen, in der Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt und nicht unnötig belastet und Generationen gespalten werden.
Nur so können wir eine gesunde und respektvolle Gesellschaft für alle Altersstufen schaffen, was letztlich auch die Basis für mehr Generationengerechtigkeit bildet. Dafür möchten wir uns einsetzen und haben einen entsprechenden Wahlprogrammvorschlag eingereicht.